Interview: CSU-Politkerin Dorothee Bär über ein mögliches WoW-Verbot
buffed: Die Stadt Nürnberg untersagt mit Verweis auf den Amoklauf von Winnenden ein friedliches eSport-Spiele-Turnier, die „Internationale Waffenmesse“ darf dagegen stattfinden. Der Blogger Sascha Lobo fragt sich nicht unberechtigt: „Nur noch mal für mich zur Vergewisserung: Ich dürfte also mit 14 Jahren anfangen, großkalibrige Waffen zu benutzen und dann als 21-jähriger Sportschütze mit einem Kofferraum voller halbautomatischer Waffen und 0,4 Promille auf der Autobahn mit 320 km/h vom Schützenfest zum CSU-Parteitag fahren – aber Computerspiele sollen verboten werden?“ Wie sollen die Spieler die moralischen Maßstäbe mancher Politiker noch verstehen?
Bär: Die Frage, die Herr Lobo aufwirft, ist natürlich sehr polemisch und nur auf Stimmungsmache aus. Ich glaube, wir tun alle gut daran, über dieses Thema in Ruhe und sachlich zu sprechen.
buffed: Was ist Ihr persönlicher Spiele-Background? Sie gelten als Adventure-Fan, was ist Ihr Lieblingsspiel? Haben Sie mal World of Warcraft oder ein anderes Online-Spiel ausprobiert?
Bär: Natürlich habe ich mich intensiv mit diesen Spielen auseinandergesetzt. Würde ich die Spiele nicht kennen, könnte ich mich nur schlecht an der Debatte um ein mögliches Verbot beteiligen. Mein absolutes Lieblings-Adventure war, ist und bleibt aber „Zak McKracken“. Gerne gespielt habe ich auch immer „You Don’t Know Jack“. Derzeit spiele ich am liebsten „Edna“. Leider habe ich berufsbedingt jedoch nicht so viel Zeit zum Spielen.
buffed: Was sollen spielende Wähler von der CSU halten, die sich mit Spieleverbietungs-Vorschlägen von Frau Haderthauer oder Herrn Herrmann bei der konservativen Klientel anbiedert? Braucht die Partei rein aus Image-Gründen gemäßigte „Spieleversteher“ wie Sie?
Bär: Meine persönliche Position entspricht meiner Überzeugung. Ich sehe mich in dieser Diskussion vor allem als Sprecherin der jüngeren Generation, die ganz selbstverständlich mit dem Computer aufgewachsen ist, sich gerne damit beschäftigt und sich die Freiheit wünscht, selbst entscheiden zu können, was gut für sie ist und was nicht. Natürlich müssen wir auch über die Risiken reden. Um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren der neuen Medien zu schützen, verfügt gerade Deutschland zum Glück aber auch über einen hervorragenden Jugendmedienschutz.