Interview: CSU-Politkerin Dorothee Bär über ein mögliches WoW-Verbot
Diesen Artikel fanden bayerische Bild-Zeitungs-Leser in der Ausgabe am 29. April 2009. (Quelle: Bild)
Kontrovers diskutiert und noch nicht entschieden – in der CSU debattieren Politiker über Sinn und Unsinn eines möglichen WoW-Verbotes. Dorothee Bär, CSU-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin des Unterausschusses Neue Medien, bezieht Stellung: Sie lehnt konsequent ein pauschales Verbot von World of Warcraft und ähnlichen Spiele ab und erklärt, welche Konsequenzen die Forderungen ihrer Parteikollegin und bayrischen Sozialministerin Christine Haderthauer haben könnte.
buffed: Frau Bär, Ihre Parteikollegin, die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer, will das Computerspiel World of Warcraft wegen seiner angeblichen „Suchtgefahr“ verbieten lassen. Ist das die Parteilinie der CSU oder handelt es sich dabei um den Vorstoß einer Einzelperson?
Bär: Wir diskutieren innerhalb der CSU über den richtigen Umgang mit Gewalt darstellenden Computerspielen. Ich zähle dabei zu jenen, die ein pauschales Verbot dieser Spiele konsequent ablehnen.
buffed: In einer User-Diskussion auf gamingisnotacrime.de meinten Sie vor einem Jahr noch, „Die Kultur- und Medienpolitiker der CDU/CSU-Fraktion sind sich jedoch einig: Ein Verbot ist nicht sinnvoll, da es Gewaltspiele nicht verschwinden lassen, sondern der illegalen Nutzung und Verbreitung Tür und Tor öffnen wird.“ Was hat sich seit dem an der Einstellung der Fraktion geändert?
Bär: Nichts! Das ist immer noch die Meinung der Kulturpolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Wir setzen uns für die Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut ein. Mit dem Ende März verliehenen und von uns initiierten Deutschen Computerspielepreis haben wir ein wichtiges Signal für eine stärkere kulturelle Wahrnehmung von Computerspielen gesetzt. Aber natürlich sehen wir auch die Gefahren, die gerade von Gewaltspielen ausgehen können.
buffed: Was kann Frau Haderthauer auf der Konferenz der Jugendminister im Juni praktisch erreichen? Ist ein bald greifendes Verbot von Spielen wie World of Warcraft realistisch?
Bär: Ich halte es für nicht realistisch. Ich denke, wir brauchen noch eine breite Diskussion in Politik und Gesellschaft, wenn es um die Frage von Chancen und Risiken von Computerspielen geht. Denn es ist auf jeden Fall noch viel Gesprächsbedarf vorhanden.
buffed: Wie ist Ihre persönliche Einstellung zum Thema „Verbote von Computerspielen“? Spiele sollen wegen angeblicher „Suchtgefahr“ verboten werden, von einem Bierverbot wegen (reell existierenden) Alkoholismus-Risiken spricht dagegen kein Politiker. Warum werden gerade Computerspiele gerne an den Pranger gestellt?
Bär: Wie bereits gesagt, bin ich gegen ein pauschales Verbot von Computerspielen. Mir liegt vielmehr daran, die Nutzer stärker aufzuklären. Lehrer und Eltern müssen über die Chancen und Risiken neuer Medien informiert werden, damit sie ihre Kinder anleiten und deren „Konsum“ begleiten können. Denn natürlich haben das Internet und der Computer nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren. Im vergangenen Jahr habe ich die politische Auseinandersetzung mit der so genannten pathologischen Internet-Nutzung gefordert. Nun prüfen wir seit einigen Monaten den politischen Handlungsbedarf. Während meiner Arbeit an diesem Thema ist mir immer deutlicher geworden, dass viele Menschen relativ blauäugig an die Nutzung von Computern und dem Internet herangehen. Da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Ich halte ein pauschales Verbot nicht für den richtigen Weg, es muss immer der Einzelfall betrachtet werden. Das Medium Internet ist so schnell, dass ein Verbot aus meiner Sicht keine angemessene Reaktion auf die täglich steigenden Herausforderungen ist, die das Internet sowohl an den Nutzer als auch an die Politik stellt.