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Akquisitionsmanipulation

07.01.2009 13:02 Uhr
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Akquisitionsmanipulation

Mir ist aus anonymer Quelle ein äußerst brisantes Schriftstück mit sehr delikatem Inhalt zugespielt worden. Dessen Veröffentlichung dürfte unter Onlinespielern ähnlich vehemente Reaktionen hervorrufen, wie vor langer Zeit das Abbrennen der römischen Hauptstadt bei der betroffenen Bevölkerung. Eine weitere Parallele zu der damaligen brandgestützten Grundsteinfreilegung ist der Verdacht, dass selbst höchste Entscheiderkreise daran mitgewirkt haben könnten. So wäre es alles andere als verwunderlich, wenn der Auftraggeber der folgenden Studie ganz oben in der Chefetage eines global tätigen Unternehmens zu finden ist.

Auszüge aus der Forschungsarbeit von Prof. Dr. Dr. Horatio Süßbruch zu visuell vorgenommener Nachfrageindoktrination in virtuellen Umgebungen und deren Akzeptanzgrad bei in Geselligkeit entspannt-destruktiv agierenden Konsumenten
(Übersetzung für Erstsemester: Projektstudie zur Einführung von Werbung in MMORPGs)

1. Aktueller Einführungsgrad
... und somit ist im Umfeld von Onlinespielen hinsichtlich der Realisation von Werbung keinerlei Pionierleistung mehr vonnöten. Gerade bei MMORPGs mit unterdurchschnittlichen Accountzahlen und ebendeshalb um ihre Arbeitsplätze bangenden Geschäftsführern hat sich in der Vergangenheit das Erschließen von Werbeeinnahmen als willkommener Lösungsansatz der eigenen Überlebenssuche erwiesen. Speziell wenn in die Jahre gekommene Onlinewelten vor der Wahl stehen, entweder durch eine kostenintensive Totalrenovierung die aus Enttäuschung oder Langeweile abgewanderten Käuferschichten zurückzugewinnen oder wesentlich einfacher die weggebrochenen Umsätze durch den Minimalaufwand einer Werbezuschaltung zu ersetzen, suchen 9 von 10 Entscheidungsträgern den Weg der unkomplizierten Lösung in Form der direkten Kapitalzuflüsse aus der Werbewirtschaft.

Um des besseren Verständnisses willen seien im Folgenden jeweils konkrete Beispiele der genannten Thesen dargebracht:

Am 03.04.2008 verkündeten die Firmen NCsoft und Double Vision ihre Kooperation bei Ingame-Werbung in den Spielen City of Heroes und City of Villains. Wenige Tage später verzeichnete das dem Firmensitz nächstgelegene Reisebüro eine signifikante Zunahme von gebuchten Weltreisen, was die Vermutung nahelegt ...

2. Historische Entwicklung
... vor allem in Hinblick auf die bereits erfolgreich durchgeführte Zwangsabhärtung von Fernsehkonsumenten. Erschien es doch vor knapp 25 Jahren - vor der Einführung des Privatfernsehens - noch undenkbar, das Gesamtkunstwerk eines abendfüllenden Spielfilms durch Werbepausen zu entstellen. Nur ein Vierteljahrhundert später hat sich die Mehrzahl der Betroffenen so an die Unwahrheit feilbietenden Zwangspausen gewöhnt, dass sie ohne diese nicht einmal mehr selbstständig ihre Kühlschrankbesuche und Toilettengänge planen könnten. Die Zeit spielt also dem Advertising in die Hände und gemäß dem olniggschen Theorem 2325 über die tägliche humane Neuproduktion dürfte nicht zuletzt die sukzessive Auswechslung der bessere Zeiten erlebt habenden Onlinegeneration durch eine nichts anderes kennende Neuklientel den zu erwartenden Protest schnell verstummen lassen.

In den Städten von CoX existierten bereits vor dem Double Vision Deal Reklametafeln, welche allerdings nur mit Fantasiewerbung bestückt wurden. Aufgrund dieses günstigen Umstandes war es ein Leichtes bei vielen Spielern eine Akzeptanz der geplanten Modifikation herbeizuführen, wo sich doch augenscheinlich in den optischen Belangen überhaupt nichts für sie ändern würde. Weiter zahlte sich die Tatsache aus, dass Bevölkerungsschichten, die sich mit Vorliebe in durch Häuserschluchten schwingende Superhelden verwandeln, im Rahmen ihrer verkürzten schulischen Ausbildung anscheinend noch keine Kenntnis davon erlangt haben, wie leicht das Verbreiten von nur unterschwellig wahrgenommenen und somit auf das Unterbewusstsein wirkenden Werbebotschaften das menschliche Handeln beeinflussen kann. Super sind hier also nicht nur die Helden sondern auch die Umstände zu nennen, welche dazu geführt haben ...

3. Das Wort als unterstützende Maßnahme
... weshalb Umwälzungen unterworfene Menschen aus evolutionärexistenziellen Ursachen zu einer ablehnenden Grundhaltung tendieren. Diese in einen positiven Status zu transformieren, muss das oberste Ziel einer erfolgreichen Lancierung sein. Hierbei erweist sich die Wahrheit als kontraproduktives Element und sollte daher stets dem Ziel der Kundenakzeptanz untergeordnet werden. Daher bedarf die Einführung von Ingame-Werbung unbedingt folgender zwei rhetorischen Aussagen:

a) Eine zugestandene Wahlfreiheit des Reklamekonsums mithilfe eines Optionsschalters.
Hierbei ist zu beachten, dass
- der voreingestellte Defaultwert den phlegmatischen Kundenteil bei der richtigen Entscheidung unterstützt.
- Bugs leider nicht nur in Grafik und Gameplay sondern auch bei der Funktionalität von Schaltern auftreten können.
- Vermisstenanzeigen ausschließlich im Falle organischen Lebens und niemals beim spurlosen Verschwinden von Internetseiten mit wahrheitsabsenten Versprechungen gestellt werden können.

b) Das Zugeständnis aller durch Werbung erwirtschafteten Umsätze in die Produktweiterentwicklung einfließen zu lassen.
Hierbei ist zu beachten, dass
- in der nächsten Bilanz die Gewinnentnahme aus dem Bereich des Abonnementerlöses um den entsprechenden Betrag erhöht wird.
- sich die EULA diesbezüglich ausschweigt und Rechtsansprüche so imaginär wie Unterhaltszahlungen bei einer gelösten Verlobung bleiben.
- die Arbeitsräume von buchhalterisch tätigen Mitarbeitern ausreichend schalldicht isoliert sind, damit keinerlei Gelächter aus dem Firmensitz nach draußen dringen kann.

Zusammenfassend sei empfohlen, sich bei jedweder Äußerung am unverbindlichen Auftreten von Politikern zu orientieren, die seit Jahrzehnten den Beweis erbringen, dass noch niemals ein gebrochenes Versprechen die Ursache für ein abruptes Karriereende war, sondern allenfalls ein allzu dilettantisch vorgenommener Versuch des Herauswindens.

In einer ersten Stellungnahme des Geschäftsführers von NCsoft NorCal Studio erklärt dieser, dass ...

4. Alternative Werbestrategien
... weil der Werbewirtschaft in der Wahl ihrer Werbeträger oft zurecht eine viel zu konservative Ausrichtung ihrer Vorgehensweise bescheinigt werden muss. Das junge Alter des Mediums Internet berücksichtigend müssen hier wesentlich unverbrauchtere Wege der Produktanpreisung beschritten werden. Reklametafeln und fest umrissene Bannerwerbung tragen aufgrund ihrer überholten Strukturen die Gefahr in sich, eher ruf- und absatzschädigende Folgen zu verursachen. Hier drängt sich die Form des Product Placement geradezu auf, zumal die andernorts einschränkende Rechtsprechung aufgrund der Internationalität des Umfeldes noch in ihren hinterherhinkenden Kinderschuhen steckt.

Ideen für innovatives Advertising in anderen Onlinespielen:
- Unbedarfte Programmierer verschenken bildschirmfüllende Werbeflächen zuhauf. Wieso nicht Warte- und Ladezeiten von Instanzen- und Zonenwechseln mit unterhaltsamen Kurzfilmen aus der Welt der Burger und Pommes schmackhafter machen?
- Man stelle sich den putzigen Gnomkrieger vor, der als Schild einen geringfügig vergrößerten Kronenkorken tragen würde. Dessen entsprechend farbliche Ausgestaltung inklusive aufgedrucktem Namenszug eines Softdrinkherstellers würde perfekt mit so mancher überlaufbunten Umwelt harmonieren.
- Was würde es den Spielfluss hindern, wenn die epische Amazonenklinge fortan offiziell Milchschnitte genannt wird?
- Rüstungen sollten nicht nur regelmäßig repariert sondern bisweilen auch von Fremdblut gereinigt werden. Ein Universalwaschmittel könnte hierbei hervorragende Dienste ...

Akquisitionsmanipulation Der Münchner Autor schreibt seit 1998 regelmäßig auf seiner Webseite www.olnigg.de. Für buffed.de kommentiert der Satiriker unter dem Namen „Olnigg der Nörgelork“ regelmäßig die Geschehnisse aus dem wachsenden Online-Rollenspiel-Bereich.

Mehr Nörgelork? Hier geht's zur Artikelübersicht.

Redaktion buffed.de
07.01.2009 13:02 Uhr
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am 30. April 2008
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argh... so viele fremdwörter... kann... nicht... verarbeiten... da waren seine früheren columnen wesentlich besser
am 24. April 2008
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*hust* Purpurbull Energietrank *noch immer hust*
Product Placement ... *an einem Hustenanfall stirbt*

Aber nein, Blizz würde das ja niee machen. ^^
am 23. April 2008
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@44
Achso, in dem Fall muss ich Dir natürlich Recht geben. Das mit der Übersetzung ist schon sehr dumm, aber irgendwie versuche ich das zu ignorieren und nenne Eigennamen immernoch auf Englisch (bzw. so wie sie im "original" WC und in den Büchern, etc.) genannt werden. Bis jetzt hats geklappt und mich stört die Übersetzung nicht mehr so stark (dafür viele meiner neuen Mitspieler um so mehr, weil sie viele Namen nur auf deutsch kennen... mir egal).

Ganz schlimm finde ich es halt, dass die Story, bzw. die ganzen bekannten und wichtigen Personen so sehr "verheizt" werden. Blizzard muss aufpassen, dass sie noch wichtige Storyfiguren übrig lassen, um die Geschichte auch nach WoW noch fortsetzen zu können.
am 22. April 2008
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@41
Ich erinnere mich da nur an die paar hundert (nicht allzu begeisterten) Kommentare, welche damals zum Artikel fielen, welcher über die Übersetzung sowohl der Orts- und Gebietsnamen als auch der Eigennamen der Charaktere/NPC's berichtete.
Ich glaube, primär ist's die Story - aber für all die Leute, welche Warcraft schon in der "englischen" Zeit kannten, war's wohl auch ein bisschen Spielgefühl, das den Bach runterging ^^
am 22. April 2008
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So wirklich Sorgen mach ich mir über Werbung in MMO's nicht .. denn genauso wie es jetzt Mods gibt um die Optik des Spiels positiv zu beeinflussen wird es, sollte Werbung in den Spielen platziert werden, ebenso Mods geben, die diese Werbung entschärfen.
am 22. April 2008
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Steckt wie immer etwas Wahres hinter, aber diesmal liest es sich doch eher zäh. Mir fehlt die lockere sarkastische Art die mich in den anderen Folgen immer zum Weiterlesen animiert hat.
am 22. April 2008
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@39
Reden wir hier von der Zersörung des "Spielgefühls" oder der "Story"? Also bei letzerem würde ich Dir da wohl eher Recht geben...
am 21. April 2008
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einschränkende Rechtsprechung aufgrund der Internationalität des Umfeldes noch in ihren hinterherhinkenden Kinderschuhen steckt.

XD sehr schön formuliert, man könnte anfügen das dieser Umstand wohl auf das gesamt "aktuell" gültige Internetrecht zutrifft

der artikel war mal wieder sehr unterhaltsam und sogar informativ o0
am 21. April 2008
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@36
neeeeeein, schneesturm würde niemals das spielgefühl zerstören wollen
am 21. April 2008
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Wieso sollte es wirklcih schwer sein, den Sinn dieses Textes zu verstehen? Das kann man auch trotz der teilweise schon angeberisch wirkenden Sprachfassung gut. Es macht nur, zumindest mir persönlich, keinen Spaß einen Text zu lesen, bei dem der Autor schon fast so schreibt, als wolle er versuchen mit unnötig langen und verstrickten Ausführungen anzugeben.

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