WoW-Roman Wolfsherz - Wie gut ist das neue Warcraft-Buch?
Richard A. Knaak ist einer der hauptverantwortlichen Autoren für die Bücher zum Warcraft-Universum. Besonders seine Reihe um den Krieg der Ahnen erfreute sich großer Beliebtheit. Zusammen mit anderen Autoren wie Christie Golden treibt er die Geschichte von Warcraft weiter voran und erklärt Zusammenhänge, die im Spiel oftmals zu kurz kommen. So auch in seinem neuesten Werk Wolfsherz.
Der Roman spielt unmittelbar nach dem Kataklysmus und zeigt, wie die Allianz sich in dieser Zeit neu organisiert, um den kommenden Herausforderungen entgegenzutreten. Die Worgen sind noch nicht Teil der Allianz, und Varian Wrynn ist noch nicht der gewählte Anführer der Fraktion. Während die Horde sich bereits den neuen Gegebenheiten nach der Katastrophe stellt und einen Angriff auf das Eschental plant, sind die Allianzler noch mit den eigenen politischen Verstrickungen beschäftigt.
In Wolfsherz werden drei große Themenkomplexe behandelt. Leider wirken diese drei Story-Fäden etwas mühsam miteinander verstrickt. Eine mitreißende, packende Stimmung stellt sich nicht ein. Dennoch offenbart jeder der drei Handlungsstränge interessante Hintergründe.
Malfurion und Tyrande setzen sich für die Aufnahme der Worgen in die Allianz ein.
Malfurion und Tyrande haben den gestrandeten Worgen nach den Angriffen der Untoten und dem Kataklymus in den Wäldern Teldrassils Zuflucht gewährt. Den beiden weisen Anführern wurde schnell klar, dass die wilden Worgen ideale Verbündete gegen die Horde sein würden und berufen eine Versammlung aller Allianzmitglieder in Darnassus ein. Dort soll über eine Aufnahme der Worgen entschieden und über das weitere Vorgehen gegen die Horde beraten werden. Der Leser erhält hier einen Einblick in das komplizierte politische Prozedere der Allianz, das sich so gänzlich von dem der Horde unterscheidet. Während auf der Gegenseite der Kriegshäuptling herrscht, gibt es bei der Allianz lange Debatten und Abstimmungen.
Und doch wird auch das Schicksal der Allianz von einem Mann getragen: Varian Wrynn. Seine Vergangenheit wird zum Zünglein an der Waage, denn er stimmt gegen eine Aufnahme der Worgen. Er kann Genn Graumähne nicht verzeihen, dass Gilneas sich einst hinter dem Graumähnenwall verschanzt hat und Sturmwind in all den Kriegen allein stand. Ein Ringen um die Gesinnung des Königs tritt ein, und vor allem Malfurion versucht, Wrynn zur Vernunft zu bringen. Dabei ist auch in Darnassus nicht alles beim Besten.
Die Nachtelfen hatten sich bereit erklärt, die Hochgeborenen wieder aufzunehmen und ihre arkanen Studien zu dulden. Doch nun werden Hochgeborene in Darnassus hinterhältig ermordet. Um die Ordnung wieder herzustellen, betreten zwei Legenden wieder die Bühne. Maiev Schattensang, die berühmte Wächterin Illidans, und ihr Bruder, der ehemalige Kommandant Jarod, nehmen die Ermittlungen auf.
Hier beginnt die Geschichte von Wolfsherz unübersichtlich zu werden. Es wird nicht ganz klar, warum man die Schattensang-Geschwister an dieser Stelle wieder in die Warcraft-Welt zurückholt. Die Begründung ist etwas lahm, und die Geschichte um die Morde an den Hochgeborenen läuft quasi nur nebenher. Schade, denn wer sich in der Warcraft-Lore auskennt, hätte diesen beiden gerne einen größeren Auftritt gegönnt.
Genn Graumähne möchte sich zusammen mit seinen Untertanen, den Worgen, der mächtigen Allianz anschließen - dazu braucht er aber die Zustimmung der Anführer der Allianz.
Auch die angestrebte Versöhnung von Varian Wrynn und Genn Graumähne ist kaum packend und wird beinahe als Nebenhandlung abgetan. Zwar kennt jeder den Ausgang dieses Disputs, schließlich sind die Worgen Mitglieder der Allianz, aber gerade deswegen hätte man sich eine tiefergehende Story gewünscht. Nur die Selbstfindung Varian Wrynns, die ihn endgültig ebenso charismatisch macht wie seine Gegenspieler Thrall oder Garrosh, ist wirklich lesenswert. Nun endlich werden alle Fäden von Varians Vergangenheit zusammengeführt: Seine Ehe mit der früh verstorbenen Tiffin, seine Zeit als Gladiator und auch seine Beziehung zu seinem Sohn Anduin. In Wolfsherz wird Wrynns Figur abgerundet und reiht sich in die Reihe der großen Warcraft-Helden ein.
Insgesamt muss man leider sagen, dass Knaak mit Wolfsherz nicht der große Wurf gelungen ist. Man kennt besseres von ihm. Der Roman liefert nicht so viele Lore-Inhalte wie andere Bücher der Reihe, stattdessen wird beinahe endlos der Kampf ums Eschental beschrieben, der aber für das Voranschreiten der Warcraft-Geschichte kaum Relevanz hat. Fans von Knaaks manchmal sehr detailreichem Stil kommen aber dennoch auf ihre Kosten. Für alle, die gerne spannende Handlungen und so viele Hintergründe wie möglich aus einem Warcraft-Buch ziehen möchten, ist Wolfsherz weniger zu empfehlen. Dafür ist die Story einfach zu dünn.
Deshalb unser Fazit: Für echte Lore-Fans, die auch jedes kleinste Detail der Geschichte erfahren wollen: empfehlenswert. Für mäßig interessierte an Lore und Hintergründe nur bedingt interessant.
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"Weltliteratur" sind die jetzt alle nicht...oder besser als die Warcraft Romane im Original