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Runes of Magic (PC)

Release:
19.03.2009
Genre:
Rollenspiel
Publisher:
Gameforge AG

Runes of Magic - Community-Roman - Die Geheimnisse der Alten Königreiche

15.12.2009 19:05 Uhr
|
Neu
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Runes of Magic - Community-Roman - Die Geheimnisse der Alten Königreiche [Quelle: ]

Taucht ein in die Welt von Taborea und folgt den Spuren von Beloranas, einem Mitglied des Ordens "Auge der Weisheit", der die Geheimnisse der Vergangenheit und Rätsel der Magie erforscht. Begleitet Beloranas in die Heulenden Berge und erlebt mit ihm den grausamen Schrecken, den Dämon Pirlanok verbreitet.

Über den Autor
Florian Mall lebt und arbeitet in Berlin. Er ist Gymnasiallehrer und unterrrichtet in den Fächern Deutsch, Ethik und Philosophie. Durch seine mehrjährige Tätigkeit als Rezensent kam er schließlich selbst zum Schreiben. Seit dem Frühjahr 2009 ist er aktiv in der 'Runes of Magic'-Community und deren Foren tätig. Neben zahlreichen Beiträgen zur Hintergrundgeschichte und den Gebieten und Fraktionen des Spiels entsteht der Community-Roman "Die Geheimnisse der Alten Königreiche" als erzählende Einführung zu 'Runes of Magic' und der Welt Taborea.

Inhalt

Kapitel 1:   Das Heulen der Berge
Kapitel 1b: Der Magie auf der Spur
Kapitel 2:   Eine leise Ahnung
Kapitel 2b: Unterredung mit Logar
Kapitel 3:   Dunkle Offenbarungen
Kapitel 3b: Im Vertrauen
Kapitel 4:   Schatten der Vergangenheit
Kapitel 4b: Logars Entschluss
Kapitel 5:   Vorbereitungen im Abendrot
Kapitel 5b: Von langer Hand geplant
Kapitel 6:   Finsternis über Seweida
Kapitel 6b: Lahalas Entdeckung
Kapitel 7:   Letzte Vorkehrungen
Kapitel 7b: Logars Speer
Kapitel 8:   Der Befehl eines Freundes
Kapitel 8b: Abschied von der Siedlung
Kapitel 9:   Die Macht der Runen
Kapitel 9b: Von Dämonen und Magie
Kapitel 10: Im Wald von Seweida
Kapitel 10b: Begegnung in der Dunkelheit
Kapitel 11:   Pirlanoks Angriff
Kapitel 11b: Der Schleier der Nacht
Kapitel 12:   Im Bann des Dämonen
Kapitel 12b: Vision und Wahnsinn
Kapitel 13:   Logars Zorn
Kapitel 13b: Worte des Mutes
Kapitel 14:   Der Aufmarsch
Kapitel 15:   Der Hinterhalt
Kapitel 16:   Die Schlacht
Kapitel 17:   In Bedrängnis
Kapitel 18:   Epilog

Die RoM-Region Heulende Berge im Spiel. Die RoM-Region Heulende Berge im Spiel. [Quelle: ] Das Heulen der Berge
Es war, als ob das Rauschen des Meeres bis in diesen Winkel meiner Stube reichen würde. Sanft gebettet streckte ich mich auf meinem Ruhelager aus und ließ die Erlebnisse der letzten Tage an mir vorüberziehen. Die Überfahrt in die alte Welt war ohne größere Zwischenfälle abgelaufen. Die Wellen wogten in diesen Tagen ruhig dahin und ließen sich ihre Wildheit kaum anmerken. Sie trugen uns sicher an unser Ziel. Wollten sie uns mit ihrer gespielten Freundlichkeit etwa in eine Falle locken, um uns am Ende die Rückkehr nur umso grausamer zu verwehren?

Ich konnte mir keine Antwort auf diese Frage geben. Doch was auch immer geschehen würde: Ich war froh, diesen Teil der Welt wohlbehalten erreicht zu haben. Sicher, das Meer barg viele Gefahren, die unwägbar und tödlich zugleich sein konnten. Aber gemessen an den Schrecken, die in den alten Königreichen auf uns lauerten, wäre es wohl das kleinere Übel gewesen, dem Tod auf hoher See ins Auge zu blicken. Bisher gab es über die alten Königreiche vor allem Gerüchte. Wie es dort wirklich aussah, wusste kaum jemand.

Ich war aber nicht den weiten Weg über das Meer gekommen, um Gerüchten oder alten Geschichten nachzujagen. Mein Platz sollte zukünftig hier auf dem Kontinent Candara sein, so hatten es die Meister unseres Ordens beschlossen. Wir, die Forscher und Abenteurer vom Auge der Weisheit, hatten es uns zum Ziel gesetzt, das Wissen vergangener Zeiten zu erforschen und die Geheimnisse der Runenmagie bis zum Letzten zu enträtseln. Als Magiekundiger war ich auserwählt worden, um die Überreste dieser geheimnisvollen Kräfte zu finden.


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Die Stadt Varanas im MMO Runes of Magic. Die Stadt Varanas im MMO Runes of Magic. [Quelle: ] Der Magie auf der Spur
Zur Zeit der alten Königreiche gab es auf dem Kontinent Candara eine blühende Zivilisation, deren Bewohner über die Jahrhunderte nicht nur ein gewaltiges Wissen sammelten, sondern es auch in der Magiebeherrschung zu Meistern brachten. Einst soll Ayvenas, der Schöpfer unserer Welt, Teile seines Vermächtnisses über diese Länder ausgestreut haben, um die Sterblichen an seiner Macht teilhaben zu lassen. Doch die Menschen nutzen diese Kräfte nicht nur für gute Zwecke. Es war auch die Geburt von Dunkelheit und Verderbnis.

In dem Gebiet, das ich mit meiner Begleiterin Lahala im Auftrag des Auges bereisen sollte, ging es anfangs recht friedlich zu. Kein Schatten legte sich über die Dinge und keine Finsternis verdunkelte die Welt. Und doch schien es mir, als ob man uns in Varanas nicht die ganze Wahrheit mit auf den Weg gegeben hatte, bevor man uns über die Handelsstraße weiter nach Süden schickte. Es war Neuland, das wir betraten. Und alles deutete darauf hin, dass unsere Suche in diesem äußeren Gebiet des Kontinents nur vorübergehend eine ruhige Angelegenheit sein würde.

Für den frühen Abend war ein Treffen mit dem Anführer der hiesigen Truppen anberaumt, sofern man angesichts der eher spärlich ausgestatteten Soldaten überhaupt von Truppen sprechen konnte. Der Name des Anführers war Logar. Und wie ich hörte, ließ er es trotz der mäßigen Ausrüstung seiner Streiter nicht an Kampfgeist und Entschlossenheit fehlen. Ich stand also von meinem Ruhelager auf und machte mich allmählich für die Begegnung mit Logar bereit. Die Abendsonne schien freundlich durch das Fenster meiner Stube. Ich fühlte mich sicher.

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Eine leise Ahnung
Als ich vor das Haus trat, um mein Pferd zu satteln und mich auf den Weg zu machen, stand Logar bereits geduldig auf dem Vorplatz und erwartete mich. Er war ein hoch gewachsener Mann von kräftiger Statur mit einem nicht zu unterschätzenden Maß an Bestimmtheit in seinen Augen, die jedoch aufgrund seiner zurückhaltenden Erscheinung nicht allzu sehr nach außen drang. Man musste schon genauer hinsehen, um erahnen zu können, welche Kräfte diesem Mann innewohnten. Doch für den Augenblick wollte ich mir darüber keine weiteren Gedanken machen.

Ich legte Sattel und Zaumzeug wieder aus der Hand, trat aber noch kurz an meinen Rappen heran, der bereits in froher Erwartung mit den Hufen scharte. "Ruhig, Eilwind, nur ruhig. Wir haben unverhofft einen Gast bei uns. Lass uns abwarten, was er zu sagen hat. Später werden wir noch genug Gelegenheit haben, um Dich und Dein Ungestüm auszuführen. Ich ahne bereits, dass uns noch ein weiter Ritt bevorsteht." Mit diesen Worten sprach ich Eilwind gut zu und strich ihm dabei sanft durch seine schwarze Mähne und über sein dunkles Fell.

Inzwischen hatte ich Gelegenheit, Logar mit einigen Seitenblicken etwas genauer zu mustern. Kein Zweifel, es war der Mann, den man mir in Varanas beschrieben hatte, und er trug das Zeichen der Stadt. Doch warum er sich vor der vereinbarten Zeit eingefunden? Und noch dazu unmittelbar vor meiner Bleibe? Es musste einen besonderen Grund dafür geben. Ich war mir sicher, alles Wichtige herausfinden zu können, wenn ich wachsam und wohl auch ein wenig misstrauisch blieb. Ich gab Eilwind noch einen Klaps und wandte mich dann Logar zu.

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Die RoM-Stadt Logar, die von ihren Bewohnern nach ihrem tapferen Anführer benannt wurde. Die RoM-Stadt Logar, die von ihren Bewohnern nach ihrem tapferen Anführer benannt wurde. [Quelle: ] Unterredung mit Logar
"Ah, da seid Ihr ja, Beloranas." Mit diesen Worten kam Logar auf mich zu und streckte mir freundlich die Hand entgegen. Ich erwiderte seinen Gruß mit einer leichten Verbeugung und einen Augenblick später reichten wir uns die Hände zur Begrüßung. Etwas in Logars Blick verriet mir, dass er angespannt war und mir vermutlich mehr zu sagen hatte, als er im Moment mit Worten äußern konnte. Vielleicht war es eine wichtige Botschaft.

"Willkommen in unserer Siedlung, dem letzten Außenposten der Zivilisation hier in den Heulenden Bergen." Ich wunderte mich über diesen Namen und fragte zurück: "In den Heulenden Bergen? Ist dieses Gebiet vom Rat in Varanas denn so benannt worden?" Logar musste unwillkürlich lachen: "Nein, mein Freund, der Rat hat sich in dieser Sache noch nicht geäußert. Doch wenn Ihr die Leute im Ort fragt, werdet Ihr allerlei Schauergeschichten hören."

"Schauergeschichten? Ich dachte in dieser Wildnis würden wir nichts weiter als Ruinen und herumstreunende Tiere finden." Logar wurde ernster. "Ich sehe, Ihr seid noch nicht ganz im Bilde, Beloranas. In diesem Gebiet gibt es kaum Überreste der antiken Zivilisation. Und was das Heulen angeht: Es kommt nicht von den Wölfen der Ebene oder anderen Tieren." Ich versuchte mir vorzustellen, was Logar mit seinen Worten andeuten wollte. Es konnte nichts Gutes sein.

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Dunkle Offenbarungen
"Seht, Beloranas, der Grund für Euren Einsatz hier in den Bergen hat nicht so sehr etwas mit der Magie der Runen zu tun. Es geht vielmehr um die Erforschung zweier Orte in diesem Gebiet, von denen wir noch nicht genau wissen, welchem Zweck sie dienen und was sie zu bedeuten haben. Es sind zwar Orte, an denen starke Magie wirkt, aber ich muss Euch leider sagen, dass es auch Orte sind, an denen das Böse eine außerordentlich starke Präsenz zeigt."

Ich hatte also richtig vermutet. Vor unserer Abreise aus Varanas gab es die wildesten Gerüchte über dieses Gebiet. Dämonen sollten in den Bergen hausen und bei Nacht schauderhafte Rituale abhalten, um ihren dunklen Meistern zu huldigen. Sogar von Blutopfern erzählte man sich. Wenn ich Logars Worte richtig verstand, folgte aus all diesen Mutmaßungen allein ein Gedanke: Ich würde auf meiner Suche nach Magie schon bald auf das Böse treffen.

Ich versuchte mir für einen Moment das mögliche Ausmaß dieser Begegnung vorzustellen, sah Logar dann aber wieder gefasst in die Augen. Sein Gesicht war ernst, und in Erwartung meiner Antwort hatte sich seine Stirn mehr und mehr in Falten gelegt. "Sagt mir Logar, hattet Ihr hier in den Bergen bereits eine Begegnung mit dem Bösen? Gibt es Beweise oder Anzeichen für seine Präsenz? Bitte sprecht frei heraus. Jeder Hinweis könnte von Bedeutung sein."

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Die Höhle im Toten Baum, so wie sie in Runes of Magic dargestellt wird. Die Höhle im Toten Baum, so wie sie in Runes of Magic dargestellt wird. [Quelle: ] Im Vertrauen
Mit einem Wink gab mir Logar zu verstehen, dass wir unser Gespräch besser an einem abgeschiedeneren Ort fortsetzen sollten. Er wollte die Siedler wohl nicht unnötig beunruhigen und Dinge zum Stadtgespräch machen, die Angst und Sorge unter ihnen verbreiteten. Wir gingen also über den Vorplatz meiner Herberge in Richtung Rathaus, um unser Gespräch in Logars Amtsstube weiterzuführen. Es war ein eher bescheidenes Haus, doch es erfüllte seinen Zweck.

In der Amtsstube angekommen, bot mir Logar sogleich einen Platz an. Ich setzte mich einen Stuhl, der wie die übrigen Möbel in diesem Raum aus massiver Eiche gefertig war. Da sich Logars Amtsstube im ersten Stock befand, mochte ich mir gar nicht erst vorstellen, wie viele Männer nötig gewesen waren, um sein wuchtiges Pult hierher zu befördern. Von den mannshohen Schränken ganz zu schweigen. Schließlich nahm auch Logar Platz und begann seine Rede.

"Auf ein Wort im Vertrauen, Beloranas. Ich habe Euch zu mir gebeten, damit wir ungestört sind. Was ich Euch zu sagen habe, könnte in der Siedlung eine Panik auslösen. Daher hielt ich es für klüger unser Gespräch unter vier Augen weiterzuführen. Ich will keine großen Umschweife machen: Dieses Gebiet wird von Dämonen heimgesucht. Sie treten in unsere Welt ein. Vor allem am Hügelgrab im Norden und in der Höhle im Toten Baum gen Westen wurden sie gesichtet."

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Schatten der Vergangenheit
Ich musste Logar wohl eine ganze Weile wie gebannt angestarrt haben, bevor ich mich wieder auf unser Gespräch besinnen konnte. "Dämonen, sagt Ihr? Es sind etliche Zeitalter vergangen, seit diese Wesen das letzte Mal gesehen wurden. Und der Krieg der Hüter, der unsere antike Zivilisation einst vernichtete, dürfte auch an ihnen nicht spurlos vorübergegangen sein." Logar hörte mir aufmerksam zu, zeigte dabei jedoch kaum eine Regung, sodass ich aus seinem Minenspiel kaum etwas herauslesen konnte.

"Es ist wahr, Beloranas. Während der Großen Verbannung konnten die meisten Dämonen in die Welt der Leere gedrängt werden. Der Bund der Völker hielt ihrer Bedrohung stand, doch nicht alle Dämonen wurden besiegt. Die Epoche des Sturms brachte erneut Vernichtungen mit sich, doch die Dämonen wussten sich abermals geschickt vor den alles zermalmenden Hütern zu verbergen. Glaubt mir, Beloranas, was wir hier in den Bergen finden werden, ist ein alter Feind."

Bei dem Gedanken an die Hüter war mir ein Schauer den Rücken herunter gelaufen. Diese Konstrukte aus alter Zeit waren der Höhepunkt der antiken Magiebeherrschung und zugleich ihr Ende gewesen. Die Hüter wurden mit der Zeit so mächtig, dass sie sich sogar mit den Göttern und deren Schöpfung maßen. Sie unterlagen. Doch nur, um sich grausam an den Völkern Taboreas zu rächen. Wer ihrer Vernichtungswut entgehen konnte, flüchtete sich nach Kolydia.

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Legenden zufolge mieden die Dämonen seit jeher den Mondhügel in den Heulenden Bergen. Legenden zufolge mieden die Dämonen seit jeher den Mondhügel in den Heulenden Bergen. [Quelle: ] Logars Entschluss
Doch was uns hier in den Bergen gegenüberstand, waren keine Hüter, sondern dämonische Wesen. Sie waren sicherlich weniger machtvoll, doch ihre Boshaftigkeit und ihre Verschlagenheit waren kaum zu unterschätzen. Ich fragte Logar, was wir angesichts dieser Bedrohung tun sollten und er versicherte mir, dass er einen Plan geschmiedet hatte. Einen geheimen Plan, mit dessen Hilfe er die Dämonen ein für alle Mal aus unserem Gebiet vertreiben wollte.

"Hört mich an, Beloranas. Für mein Vorhaben brauche ich Eure Hilfe. Das Auge der Weisheit hat nicht nur Euch zu mir geschickt, sondern auch eine geheime Nachricht mit einem Befehl für mich und meine Männer. Es ist ab heute unsere Aufgabe, den Kampf gegen diese Kreaturen aufzunehmen und sie aus den  Heulenden Bergen zu vertreiben. Ich weiß, unsere Ausrüstung ist eher spärlich. Doch lasst Euch gesagt sein, dass Varanas Hilfe schicken wird."

Indem er sich von seinem Platz erhob und mir dabei voller Entschlossenheit in die Augen sah, wies Logar auf eine Karte an der Wand, die das Gebiet der Berge zeigte. "Ich sage Euch, die Zeit für Taten ist gekommen, Beloranas. Seht hier die Höhle im Toten Baum. Sie liegt ganz im Westen im Inneren des  Seweida-Waldes. Dort haust Pirlanok, ein Dämon von unvorstellbarer Macht. Seine Spinnendiener bedrängen uns, seit wir in den Bergen angekommen sind."

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Vorbereitungen im Abendrot
"Doch nun ist es an der Zeit zurückzuschlagen. Ich habe vor Eurer Ankunft einige Abteilungen aufstellen lassen, die mit uns gegen diese Brut von Dämonen ins Feld ziehen werden. Wir beide werden die Streiter anführen. Euer Wissen über die Magie wird uns leiten und ich werde uns den Weg durch das Dickicht bahnen. Während wir hier noch miteinander sprechen, ist ein Bote nach Varanas unterwegs, um den Rat von unserem Vorhaben zu unterrichten."

Ich nahm Logars Plan zunächst mit großem Erstaunen auf, da ich nicht erwartet hatte, dass er so bald angreifen würde. Als Abgesandter des Auges der Weisheit war ich mir meiner Verantwortung jedoch bewusst. Natürlich hätte ich im Vorfeld gern mehr über seine Pläne erfahren, doch Logar wusste, was er tat. Ich konnte es in seinen Augen sehen. Und den richtigen Zeitpunkt für ein Vorhaben zu bestimmen, war eine der schwierigsten Entscheidungen überhaupt.

Wenn es nun an der Zeit war, wollte ich seinem Vorhaben nicht im Wege stehen. Es drängte mich ohnehin, dieses Gebiet zu erkunden und meine Suche nach der Magie der Runen aufzunehmen. Logar gab mir einen Wink und ließ mich zu sich ans Fenster kommen. Als ich hinausblickte, erkannte ich, dass Logar nicht ohne Grund zuversichtlich war: Zwei Abteilungen der tüchtigsten Siedler und der erfahrensten Wachen standen in voller Rüstung im Rot der Abendsonne. Ihre Waffen schimmerten mir entgegen.

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Von langer Hand geplant
"Wie ist dies möglich, Logar? Bei meinem Eintreffen hier in der Siedlung wirkte der ganze Ort beinahe verschlafen, doch nun stehen mit einem Mal zwei schlagkräftige Abteilungen vor Eurem Haus. Als wären sie aus dem Nichts erschienen." Logar schmunzelte zunächst ein wenig, wurde dann aber wieder ernster: "Täuscht Euch nicht, Beloranas. Unser Außenposten hier in den Bergen mag zwar abgeschieden sein, doch unsere Entschlossenheit leidet nicht darunter."

"Was ich heute vorhabe, musste ich über lange Zeit im Geheimen planen. Die Dämonen des Toten Baumes sind in letzter Zeit vorsichtig geworden, so als ob sie selbst ihre Kräfte sammeln würden. Unsere Späher berichten, dass Pirlanok in seiner Höhle ein gewaltiges Nest angelegt hat. Wenn mich nicht alles täuscht, bereitet er einen Großangriff auf unsere Siedlung vor. Ich vermute, er lässt eine gewaltige Brut heranwachsen, um sie gegen uns in den Kampf zu schicken."

"Deshalb müssen wir schnell handeln und dieses Gelege vernichten, bevor die ersten Tiere schlüpfen und wir dann einer nicht enden wollenden Flut von Spinnendienern gegenüberstehen. Ich habe daher bereits für heute Abend unseren Marsch in den Seweida-Wald angeordnet. Bitte seht es mir nach, dass ich erst jetzt darüber spreche. Ich durfte niemanden gefährden. Ich hoffe, Ihr versteht mich, Beloranas."

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Finsternis über Seweida
Die Sonne senkte sich bereits unter den Horizont, als Logar und ich hinaus auf den Vorplatz traten. Neben den beiden Abteilungen befand sich dort auch meine Begleiterin vom Auge der Weisheit. Ihr Name war Lahala. Nach unserer Ankunft hier in der Siedlung hatte sie sich zunächst in ihre Herberge zurückgezogen, um dort zu meditieren und das Gebiet mit der Kraft ihrer Gedanken zu durchdringen. Diese Art von Magie war Lahalas besondere Gabe. Ich ging auf sie zu.

"Ah, Lahala. Da seid Ihr ja. Habt Ihr etwas entdecken können während Eurer Meditation?" Ihr Gesicht verriet mir, dass sie kaum mit guten Neuigkeiten aufwarten konnte. Auf ihrer weichen Haut zeichneten sich zwar keine Sorgenfalten ab, doch ihr Blick sprach Bände. "Beloranas, gut dass ich Euch endlich treffe. Ich habe in der Tat etwas entdeckt, aber es wird Euch nicht gefallen: In diesem Gebiet gibt es eine finstere Präsenz von großer Macht."

Logar, der unsere Unterhaltung halb mit angehört hatte, während er den Männern den Befehl zum Bereitmachen gab und ihnen die Marschrichtung für den Seweida-Wald noch einmal schilderte, trat unversehens an uns heran. Wir hatten nicht mit seiner Aufmerksamkeit gerechnet, doch was er uns zu sagen hatte, sollte für den weiteren Gang der Ereignisse von großer Wichtigkeit sein. Er stellte sich zwischen uns auf und neigte den Kopf leicht nach vorn.

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Lahalas Entdeckung
"Seid gegrüßt Lahala, Zauberin vom Auge der Weisheit und Abgesandte der Vahtos-Akademie. Euer Meister macht mit seinen Erfolgen in der Naturbeherrschung nicht wenig von sich reden. Doch zu Eurer Entdeckung. Was ich Euch zu sagen habe, ist nur für wenige Ohren bestimmt. Im Vertrauen also: Die Präsenz, die Ihr um Traum saht, kann nur der uralte Dämon Pirlanok gewesen sein, der sich mit seinen Spinnendienern in die Höhle im Toten Baum zurückgezogen hat."

"Dort brütet er weitere üble Kreaturen aus, um mit ihrer Hilfe die Siedlung anzugreifen und uns Menschen aus diesem Gebiet zu vertreiben. Daher müssen wir so schnell wie möglich mit aller Härte gegen ihn und seine Brut vorgehen. Uns bleibt nicht viel Zeit." Logar erklärte uns weiter, wie wir die Höhle im Seweida-Wald am sichersten erreichen konnten. Er war sehr besorgt, da er einen Hinterhalt der Spinnenwesen in diesem Wald fürchtete.

Wenn wir Pirlanok besiegen wollten, mussten wir auf unsere magischen Kräfte zurückgreifen. Da der Dämon aber weitaus mächtiger war als alle Magier Kolydias zusammen, hatte Logar eine List erdacht, mit der er Pirlanok zur Strecke bringen wollte. Auf einem seiner Erkundungsgänge hatte er in der Nähe des Hügelgrabes einen schimmernden Stein gefunden, den er für eine besondere Art von Geröll hielt. Doch es war kein Stein. Es war eine Rune.

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Letzte Vorkehrungen
Da Logar nicht wollte, dass wir bei einem Hinterhalt wehrlos waren, befahl er dem Rittmeister sämtliche Pferde auf die nahe Koppel zu führen, damit sie Auslauf hätten. Wir würden sie wohl oder übel in der Siedlung zurücklassen müssen, was unser Vorhaben verlangsamte, uns dafür aber ständige Waffenbereitschaft sicherte. "In den Wald hätten wir die Pferde ohnehin nicht führen können", sagte Logar in die Gesichter der etwas enttäuschten Soldaten.

Und auch mich schmerzte es ein wenig, dass ich Eilwind zurücklassen musste. Hatte ich ihm doch versprochen, ihn schon bald auszuführen. Wie nun der Rittmeister vom Vorplatz in Richtung Ställe ging, um Logars Anordnung Folge zu leisten, eilte Lahala zu ihrem Dunkelfuchs, den sie selbst gesattelt hatte. Es war ein schönes Tier, zwar von kleinerem Wuchs als Eilwind, doch für seine Größe recht ansehnlich. Ein braunes Fell glänzte unter seiner hellen Mähne.

Während sich die Soldaten zum Abmarsch bereitmachten, ging Logar durch die Reihen und sprach ihnen Mut zu. Er half, wo er nur konnte. Unterdessen kam der Rittmeister aus den Ställen zurück, um nun auch Lahalas Dunkelfuchs auf die Koppel zu führen. Die Knechte waren mit den übrigen Tieren vorausgegangen. Der Abschied fiel ihr sichtlich schwer, doch dann riss sich Lahala los und eilte zu den Abteilungen auf dem Vorplatz zurück. Sie wirkte traurig.

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Logars Speer
Durch ihre besondere Gabe hatte Lahala eine starke Bindung zu den Wesen der Welt, besonders zu jenen in ihrem Umfeld. Sie konnte fühlen, was sie fühlten, ganz gleich, ob es sich um Menschen oder Tiere handelte. Nach einem kurzen Innehalten schien sie ihren kleinen Schmerz jedoch überwunden zu haben. In der Zwischenzeit hatte Logar den Waffenmeister kommen lassen, da dieser noch einmal die Ausrüstung der Soldaten überprüfen sollte.

"Phaistos, sieh Dir die Schwerter und Schilde unserer Kämpfer bitte noch einmal genau an. Für unseren Auftrag nehmen wir nur die beste Ausrüstung mit." Der Waffenmeister war einige Jahre älter als Logar. Die Ruhe, die er ausstrahlte, zeugte von einer reichhaltigen Erfahrung. "Wie Ihr wünscht, Logar. Doch ich sage Euch: Waffen und Schilde sind nur ein Teil der Vorbereitung für diesen Kampf. In Eurem Eifer scheint Ihr das Wichtigste vergessen zu haben."

"Mein Speer, wie konnte ich ihn nur aus den Augen lassen! Bei all dem, was vor uns liegt, wird er vielleicht unsere wichtigste Waffe sein. Dank Euch Phaistos für Eure Aufmerksamkeit." Während sich die Abteilungen formierten, ging der Waffenmeister in die Rüstkammer der Siedlung und kam kurz darauf mit einem gewaltigen Schaft aus Eschenholz zurück, dessen Spitze in Leder eingewickelt war. Es musste Logars legendärer Speer sein.

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Der Befehl eines Freundes
"Geht mit dem Segen der Götter, Logar. Vergesst nicht, dass der Speer seine volle Macht nur dann entfalten kann, wenn Ihr standhaft bleibt und Euer Ziel nicht aus den Augen verliert." Mit diesen Worten übergab Phaistos den Speer an Logar. Da er ihn auf dem bevorstehenden Marsch nicht ständig bei sich führen sollte, wurde ein Waffenträger herbeigerufen, um Logar diese Last abzunehmen. Als Anführer würde er ohnehin schwer genug zu tragen haben.

"Phaistos, bei all der Sorgfalt, mit der Ihr mich und meine Streiter ausgestattet habt. Ihr wisst so gut wie ich, dass selbst das beste Schwert mit der Zeit schartig wird und dass auch der härteste Schild unter den Hieben der Feinde früher oder später nachgibt. Sollte ich nicht zurückkehren, obliegt Euch die Verantwortung für unsere Siedlung." Bei diesen Worten Logars war es still unter den Soldaten geworden. Und auch Phaistos, der sonst große Zuversicht ausstrahlte, wurde ernst.

"Logar, in all den Jahren, die wir gemeinsam am Aufbau dieser Länder gearbeitet haben, gab es kaum einen Moment, da ich mir gewünscht hätte, Euer Wort rückgängig machen zu können. Doch heute scheint dieser Tag gekommen zu sein. Lasst mich nicht in Unwissenheit über Euer Schicksal zurück. Ich will mit Euch ziehen und Seite an Seite mit Euch kämpfen." Logar war von Phaistos' Worten sichtlich bewegt, doch sein Entschluss stand fest.

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Abschied von der Siedlung
"Mein alter Freund, von allen Entscheidungen, die ich vor unserem Aufbruch zu treffen hatte, ist mir diese am schwersten gefallen: Euch zurückzulassen. Doch es muss sein, Phaistos. Einer von uns muss hier die Geschicke leiten. Ich übertrage Euch daher die Befehlsgewalt über die Wachen und die Verantwortung für unsere Siedlung. Sollte ich nicht zurückkehren, geht auch das Kommando über diese Streiter an Euch. Lebt wohl, Phaistos."

Der Waffenmeister war von Logars Rede so ergriffen, dass er kein Wort herausbrachte. Mit einer verbeugenden Geste nahm er Abschied von Logar und den übrigen Soldaten. Allen war nun klar geworden, wie ernst die Lage wirklich war. Der Dämon würde nicht nur ein mächtiger Gegner sein, sondern der Kampf gegen ihn sollte auch Opfer fordern. Lahala sah mich mit besorgtem Blick an, doch ich gab ihr zu verstehen, dass alles gut sein würde.

Ich hatte die Rune in Logars Hand gesehen, als er seine Ausrüstung schulterte und den magischen Stein dabei verstaute. Mit ihrer Hilfe würden wir über genug Macht verfügen, um Pirlanok zu Fall zu bringen. Doch vorerst galt es, den Wald von Seweida unbeschadet zu erreichen und in seinem Dickicht keinem Anschlag von Pirlanoks Spinnendienern zum Opfer zu fallen. Lahala würde mich warnen, falls Gefahr drohte. Schließlich gab Logar das Zeichen zum Aufbruch.

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Die Macht der Runen
Die Abteilungen setzten sich in Bewegung. Von der Siedlung aus ging es nach Westen, mitten in die Wildnis hinein. Die Wege, die ein Stück weit angelegt worden waren, reichten nur wenige Schritte. An erster Stelle hatte Logar die Sicherheit der Menschen im Auge, erst wenn die Bedrohung durch die Dämonen beseitigt war, würde er mit der Erschließung des Landes beginnen. Ich hatte mir vorgenommen, ihn unterwegs auf seine Rune anzusprechen, die er noch für einen Stein hielt, um mehr über seinen magischen Fund zu erfahren.

Gemeinsam mit Lahala ging ich neben Logar, der an der Spitze seiner Soldaten schritt. In gemessenem Abstand folgte uns sein Speerträger, dahinter kamen die beiden Abteilungen. Da Logar ein vorsichtiger Mensch war, hatte er auch einige Kundschafter ausgesandt, die sich unbemerkt von uns auf den Weg gemacht hatten, um das Unterholz auszuspähen und mögliche Feinde im Auge zu behalten.

Es sollte noch eine gute Weile dauern, bis wir den Wald von Seweida erreichen würden. Daher entschloss ich mich, Logar frei heraus auf den Runenstein anzusprechen. Da uns die Abteilungen erst in einigem Abstand folgten, konnte ich sicher sein, dass dieses Gespräch unter uns bleiben würde. Lahala genoss mein vollstes Vertrauen. Als Angehörige des Auges der Weisheit hatte sie wie ich einen Eid geschworen, ihr Wissen über Magie geheim zu halten.

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Von Dämonen und Magie
"Sagt mir, Logar: Der Stein, den Ihr vor unserer Abreise bei Euch trugt, was hat es damit auf sich? Ich sah, wie er in Euren Händen schimmerte. Es ist wohl kein gewöhnlicher Stein." Logar schien von meiner Frage weniger überrascht zu sein, als ich erwartet hatte. Vermutlich hatte auch nur er auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, um Lahala und mir von seiner Entdeckung zu berichten. "Nun, Beloranas, dieser Stein ist tatsächlich kein gewöhnlicher Stein."

"Ich muss Euch beide bitten, Stillschweigen über diesen Fund zu bewahren. Wie ich wohl richtig vermute, habt Ihr seinen Ursprung längst enträtselt, denn dies gehört ja zu Eurem Auftrag." Ich konnte mir ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Durch meine Studien in der Akademie hatte ich vom Hügelgrab und den dortigen magischen Präsenzen erfahren. "Der Stein, den ich am Hügelgrab fand, ist eine Rune. Sie wird unsere stärkste Waffe gegen die Dämonen sein."

Bei allem, was ich über die Dämonen und Magie wusste, war ich doch etwas erstaunt über Logars Äußerungen. Ich war bisher davon ausgegangen, dass sein Speer es sein würde, mit dessen Hilfe wir Pirlanok und seine Diener unschädlich machen könnten. Doch Logar bat uns, die Waffen der besten Streiter mithilfe seiner Rune magisch aufzuladen, damit sie durch den Panzer der Dämonen dringen konnten, um ihre Essenz zu zerstören.

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Im Wald von Seweida
Während des Gesprächs waren Logar, Lahala und ich nicht unaufmerksam gewesen. Es war eher eine Art innere Wachsamkeit, die wir bei unserem Austausch pflegten. Und obwohl wir das Geschehen um uns herum stets im Auge behielten, waren wir doch etwas erstaunt, als wir den Waldrand vergleichsweise früh erreichten. In der langsam aufziehenden Dunkelheit der anbrechenden Nacht verschmolzen die Bäume mit den Schatten zu einer  undurchdringlichen Finsternis. Wir ließen anhalten.

Die beiden Abteilungen und der hinter uns ziehende Tross für die Versorgung kamen erstaunlich leise zum Stillstand. Logar musste ihnen diese Art der Bewegung eingeschärft haben. Er wollte wohl sichergehen, dass sein Vorhaben so lange wie möglich vor dem Feind verborgen blieb. Wie wir nun am äußeren Rand des Waldes Halt machten, um unser weiteres Vorgehen zu beratschlagen, konnte ich zwischen den Stämmen der Bäume die Umrisse einer Gestalt ausmachen.

War dies der Hinterhalt, vor dem Logar uns so eindringlich gewarnt hatte? Für eine Warnung blieb keine Zeit mehr, denn wir befanden bereits sehr dicht vor den äußeren Bäumen. Ich musste also schnell handeln, wenn ich Schlimmeres verhindern wollte. Mit einer Hand griff ich nach meinem Stab, während ich mit der anderen meinen Zauber vorbereitete. Ein schwaches Leuchten erhellte einen Moment lang meine Hand, dann sauste mein Blitzschlag in das Dickicht.

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Begegnung in der Dunkelheit
Der Lichtbogen, der sich durch meinen Zauber mit einem Mal zwischen den Wipfeln der Bäume aufspannte, durchflutete den Rand des Waldes mit blendender Helligkeit. Wie das markerschütternde Kreischen einer Harpye war die magische Entladung meiner Hand entfahren und hatte nicht nur die Gestalt im Dickicht, sondern auch die Soldaten vollkommen überrascht. Wie gebannt klammerten sie sich an ihre Waffen und blickten verängstigt in den nunmehr erleuchteten Teil des Waldes.

Zu meiner Überraschung entpuppte sich die Gestalt nicht als eine Kreatur aus der Vorhut der Dämonen, sondern als einer unserer Kundschafter, die Logar im Geheimen ausgesandt hatte, um den Wald nach Feinden abzusuchen und uns bei Gefahr zu warnen. Obwohl er uns die ganze Zeit über im Auge gehabt haben musste, war er auf meinen Blitzschlag sicherlich nicht vorbereitet gewesen. Logar, der die Situation schnell erfasste, schritt eilig auf ihn zu.

"Nun Waldläufer, was gibt es Neues?" Die Soldaten lachten bei Logars Worten auf. Üblicherweise war es der Kundschafter, der die Truppen aus einem Winkel heraus überraschte. Doch dieses Mal waren wir ihm zuvorgekommen. "Logar, bei allem was heilig ist. Ich konnte doch nicht ahnen, dass ein Magier Euch begleiten würde. Bitte verzeiht mein Ungeschick. Wir haben den Zugang zu Pirlanoks Versteck im Toten Baum gefunden. Es ist eine Höhle nicht weit von hier."

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Pirlanoks Angriff
Nachdem uns der Kundschafter die Lage im Seweida-Wald genauer geschildert hatte, zogen wir zunächst ein Stück nordwärts, um an einem nahe gelegenen See unsere Wasservorräte aufzufrischen und noch einmal Kräfte für das letzte Stück unseres Marsches zu sammeln. Doch bevor die ersten Soldaten durstig ihre Feldflaschen auffüllen konnten, untersuchte Lahala das Wasser auf Spuren von Verderbnis. Es war frei von Übel, und so stärkten wir uns.

Je näher wir dem Versteck der Spinnendämonen kamen, desto unausweichlicher wurde der Kampf mit den Dienern von Pirlanok. Wir mussten daher ständig auf der Hut sein, um nicht in eine Falle zu geraten. Das Wasser des Sees hätte eine solche Falle sein können. Doch es war nicht vergiftet, sondern klar und rein. Nach einigem Zögern nahm selbst Logar einen Schluck aus seiner aufgefüllten Feldflasche und war sichtlich zufrieden mit dem Wasser der Quelle.

So gut uns die Erfrischung auch tun mochte, die kleine Idylle dieses Waldsees konnte nicht unser letztes Ziel sein. Und so gab Logar bald den Befehl zum erneuten Aufbruch. "Wir stehen nun auf feindlichem Boden und müssen daher jederzeit mit einem Angriff von Pirlanoks Dienern rechnen. Jeder Einzelne von Euch muss wachsam sein und auf den anderen Acht geben. Dieser Wald ist durch den Einfluss dämonischer Mächte verderbt worden. Seid also vorsichtig."

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Der Schleier der Nacht
Langsam setzten sich die Abteilungen wieder in Marsch. Logar, der zuvor noch mit uns über den weiteren Weg beratschlagt hatte, ging erneut an der Spitze. Nur dass er diesmal zwei Kundschafter im Verborgenen vorausschickte, um unsere Flanken zu schützen. Die Dunkelheit hatte sich nun endgültig über den Wald gelegt und hüllte ihn in einen düsteren Schleier. Man konnte kaum noch die Hand vor Augen erkennen. Doch Fackelschein hätte uns verraten.

Das Licht des Mondes wies uns mit seinem fahlen Schein den weiteren Weg in die Dunkelheit. Es war mehr ein Tasten als ein Gehen, mit dem wir uns fortbewegten. Die Abteilungen rückten daher enger zusammen. Langsam setzte jeder einen Fuß vor den anderen. Unsere Augen suchten das verdunkelte Dickicht der Bäume nach möglichen Feinden ab, doch es wollte sich niemand zeigen. Plötzlich flammte weiter vorn im Wald ein Leuchten wie von Feuer auf.

Einer der Kundschafter musste einen Essenzpfeil gewirkt haben. Da die Soldaten mit den Fertigkeiten der Späher vertraut waren, entstand kein Aufruhr. Jeder von ihnen blieb an seinem Platz und behielt weiter den Wald im Auge. Die Rüstungen der Männer schimmerten im Licht des Mondes, doch dies war für uns im Moment eher von Nachteil. Für eine magische Verschleierung war es allerdings zu spät, denn mit einem Mal drang eine Stimme wie von tausend Qualen in unseren Geist.

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Im Bann des Dämonen
Noch bevor uns der Späher von seiner Entdeckung im Dickicht des Waldes berichten konnte, wurden wir Zeuge der unheimlichen Macht, die von der Präsenz des Dämonen ausging. Mit der Kraft seiner verderbten Gedanken hatte Pirlanok uns aufgespürt. Unhörbar drang sein Wille durch den Wald von Seweida, mitten in unseren Verstand hinein. Wie ein Albtraum hielt der Dämon unseren Geist mit seiner Macht gefangen.

"Ich sehe Euch, die Ihr durch die Wälder meiner Vorfahren streift. Habt Ihr tatsächlich geglaubt, Ihr könntet meiner Aufmerksamkeit entgehen? Wie erbärmlich. Ihr schleicht durch die Nacht wie ein Sprung verängstiger Rehe. Seid also auf der Hut vor dem Wolf. Mit Waffen und wehrhaften Rüstungen seid Ihr gekommen, um mich anzugreifen? Gut, so kommt denn und findet Euer Verderben. In meinem Wald seid Ihr Fremde in einem fremden Land. Wir aber sind eins mit ihm."

"Ich warne Euch noch dieses eine Mal: Kehrt um und verlasst dieses Gebiet. Der Wald von Seweida wird niemals den Sterblichen gehören. Lasst ab von Eurem Vorhaben und wendet Euch zur Heimkehr. Noch ist Zeit dazu. Und Ihr, den die Streiter Logar nennen: Soll mich Euer Speer verwunden oder eher belustigen? Dachtet Ihr wirklich, dass Eure Waffe mir schaden könnte? Eure Anmaßung kränkt mich beinahe. Doch ich will gütig sein: Legt Euren Speer ab und ich vergebe Euch."

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Vision und Wahnsinn
Durch die Macht des Dämonen gebannt, waren die meisten Kämpfer in die Knie gegangen und versuchten sich verzweifelt ihre Ohren zuzuhalten, um Pirlanoks Stimme nicht mehr länger ertragen zu müssen. Doch gegen seine Kräfte gab es kein Ankommen, denn er zwang uns mit aller Macht, seine Gedanken wahrzunehmen. Sein von Bösartigkeit und verzehrendem Chaos geprägtes Bewusstsein brachte einige Männer um den Verstand. Sie erlagen den Verwirrungen des Dämons.

Kurze Zeit später war alles vorbei und die unheimliche Stille der Dunkelheit breitete sich wieder aus. Im nachtdunklen Wald war kein Laut zu hören. Ob Mensch, Tier oder Pflanze, alles schien dem Willen des Dämons unterworfen zu sein. Zwei Soldaten aus der vorderen Abteilung waren wie im Wahnsinn in das lichtlose Dickicht, das uns mehr und mehr umgab, hineingerannt. Von ihnen fehlte jede Spur. Die übrigen kamen nur langsam wieder zu sich. Und selbst Logar war wie gelähmt.

Als Pilanok uns mit der Macht seiner Gedanken angriff, musste ich Lahala aus den Augen verloren haben. Ich konnte mich noch daran erinnern, wie ich mit ihr und Logar an der Spitze der Abteilungen schritt, als mit einem Mal der Essenzpfeil des Kundschafters im Dickicht aufflammte. Kurz darauf hatte sich Pirlanoks Geist wie ein quälender Schmerz in meinen Verstand gebohrt. Nun da alles vorbei war, suchte ich nach Lahala. Doch sie war verschwunden.

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Logars Zorn
Auch Logar hatte bemerkt, dass von Lahala jede Spur fehlte. Mühsam hatte er sich nach der Vision des Dämonen wieder aufgerichtet und war erschöpft zu seinen Männern geeilt, um ihnen nach Pirlanoks Gedankenangriff beizustehen und ihnen Mut zuzusprechen. Viele Soldaten waren verängstigt, andere ganz außer Gefecht gesetzt. Die Verluste beliefen sich auf fünf Kämpfer. Zwei von ihnen waren im Wald verschollen, während drei weitere Krieger nach dem Angriff des Dämonen kampfunfähig blieben.

In der Dunkelheit war zwischen dem Geäst der Bäume kaum noch etwas zu erkennen. Logar hatte Mühe, seine Männer aufzuraffen und die Abteilungen wieder zu ordnen. Da der Feind nun zweifelsohne von unserer Ankunft in Seweida wusste, gab Logar den Befehl Fackeln auszugeben und jedem Soldaten damit ein Licht zu reichen. Wenn Pirlanok und seine Brut ohnehin wussten, dass wir uns näherten, sollte wenigstens unser Weg hell vor uns liegen.

Nachdem sich die Abteilungen neu aufgestellt hatten und jeder Soldat nun eine Fackel bei sich trug, fragten einige Männer, wie es weitergehen sollte und ob man einem Feind, der im Stande war Gedanken zu beherrschen, überhaupt schaden konnte. Logar sah sich mit ernster Mine um, bevor er zu einer Antwort anhob. Er ahnte vermutlich, dass Lahala verschleppt worden war und dass es schwierig sein würde sie zu befreien. Doch in seinen Augen funkelte  Entschlossenheit.

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Worte des Mutes
"Hört mich an, Männer. Was wir erlebt haben, ist die Grausamkeit eines Dämonen, dessen Macht wir bisher nicht einschätzen konnten. Ich weiß, viele von Euch sind geschwächt, manche sogar eingeschüchtert durch das Böse, dem wir begegnet sind. Auch ich kannte das wahre Ausmaß von Pirlanoks Macht bisher nicht. Bisher gab es nur wenige Berichte und verworrene Erzählungen über ihn und seine Spinnendiener."

"Doch all der Schrecken, den wir durch die Vision des Dämonen erlebt haben, darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass Pirlanok ein Wesen ist, das sich vor uns verborgen hält. Wäre er so mächtig, wie er uns glauben machen will, bräuchte er sich nicht in seiner Höhle zu verkriechen. Ich habe den Verdacht, dass er sehr genau weiß, wie begrenzt seine Kräfte sind und wie gefährlich wir ihm mit unseren Waffen werden können."

"Deshalb hat er wohl auch zwei unserer Männer in den Wahnsinn getrieben, um sie in den Tiefen des Waldes gefangen nehmen zu lassen. Er will nicht, dass wir ihm näher kommen. Ihr wisst: Das Auge der Weisheit ist mit uns. Beloranas und Lahala stehen uns mit ihrem Wissen und ihrem Rat auf unserem Weg zur Seite. Doch nun ist Lahala verschwunden. Pirlanok muss sie verschleppt haben, um uns zu schwächen. Aber ich sage Euch: Wir werden sie befreien! Und weder Dämonen noch Spinnendiener werden uns aufhalten!"

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Der Aufmarsch
Während Logar sprach, ging zunächst ein Raunen durch die Reihen. Das Schicksal der verschleppten Mitstreiter hatte die Männer in Aufruhr versetzt, doch die Furcht vor weiteren Gräuel dämpfte ihren Unmut anfangs. Erst als Logar auf Lahala zu sprechen kam, wurden sie wieder entschlossener in ihrem Willen. Jeder von ihnen wusste, dass Pirlanok und seine Dämonen vor nichts und niemandem haltmachen würden. Wir mussten sie um jeden Preis aufhalten, wenn wir Lahala befreien und unsere Siedlungen vor der Vernichtung bewahren wollten.

Logar gab uns mit seiner Rede neuen Mut und neue Kraft ein. Keiner von uns ahnte auch nur, wie sehr wir sie brauchen würden. Im Schein der Fackeln formierten sich die Männer erneut zum Aufbruch. Glücklicherweise hatten sich die meisten Kämpfer wieder von Pirlanoks Gedankenangriff erholt, so dass nur ein geringer Teil von ihnen die Waffen abgab und in den Tross wechselte, der uns zur Versorgung begleitete. Mit den Gedanken waren wir bei Lahala und unseren verschleppten Mitstreitern. Ihr Schicksal machte uns entschlossener und mutiger in unserem Vorhaben.

Während wir uns weiter in das Dunkel des nächtlichen Waldes vorwagten, warf das flackernde Licht der Fackeln einen ungleichmäßigen Schein in sein finsteres Dickicht. Immer wieder tanzte der Lichtschein unserer Fackeln zwischen den Stämmen der turmhohen Bäume hin und her, ohne dass wir auch nur die Spur eines Spinnendämonen entdecken konnten. Pirlanoks Diener mussten jedoch ganz in der Nähe sein. Ich konnte es spüren. Logar gab vorsorglich das Zeichen zum Wappnen und die Männer machten sich kampfbereit. Aber der Feind zeigte sich nicht.

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Der Hinterhalt
Im Wald blieb es zunächst ruhig, doch jeder Einzelne wusste, dass diese Stille in der Dunkelheit nichts Gutes zu verheißen hatte. Zögerlich schritten wir weiter in die Finsternis hinein. In voller Bewaffnung bewegten wir uns nur langsam, um so nah wie möglich beieinander zu bleiben. Die nächtliche Umgebung konnten wir mithilfe unserer Fackeln zwar ein wenig ausleuchten, doch der Wald wollte keines seiner Geheimnisse preisgeben. Und so mussten wir uns halb tastend unseren Weg bahnen.

Als wir schließlich eine Lichtung erreichten, tat sich das Laubdach des Waldes endlich wieder für uns auf. Nach unserem Marsch durch die Dunkelheit wirkte der Mond mit seinem fahlen Lichtschein auf uns beinahe wie eine Sonne, die mit ihrem Licht hellen Tag verbreitet. Wir waren froh, das undurchsichtige Dichickt von Seweida für einen Moment hinter uns gelassen zu haben, und nicht Wenige von uns hätten die Morgendämmerung wohl nur zu gern auf dieser Lichtung
abgewartet.

Logar, der immer wieder nach unseren Kundschaftern Ausschau hielt, bemerkte diesen heimlichen Wunsch. Er wusste wie kein Zweiter, dass die Zeit drängte und dass wir uns eine längere Rast nicht erlauben konnten, denn mit jedem Augenblick, der verging, wuchs die Zahl von Pirlanoks Dienern, schwoll seine Brut weiter an. Wie viele Spinnendiener bereits den Wald bevölkerten, konnte auch Logar nicht genau sagen. Umso wichtiger war es, das Gelege der Dämonen rasch zu zerstören.

Während Logar einen weiteren Kundschafter aussandte und die Männer für einen kurzen Moment ausruhen ließ, drang aus den Tiefen des Waldes plötzlich ein unheilvolles Rauschen heran, dem ein Schnarren und Zischen folgte, das durch Mark und Bein drang. Das Dickicht schien lebendig zu werden, denn überall raschelte und regte es sich mit einem Mal. Im Mondschein blieb der Wald trotz unserer Fackeln dunkel und undurchsichtig. Erst allmählich begriffen wir unsere Lage.

Was Viele für einen Albtraum gehalten hatten, wurde vor unseren Augen Wirklichkeit: Im Schatten der Nacht griffen uns Hunderte Spinnen an. Aus allen Teilen des Waldes fielen Pirlanoks Diener über uns her. Sie brachen aus dem Unterholz hervor, schossen von den Wipfeln der Bäume auf uns herab oder schälten sich aus dunklen Windungen, um uns anzugreifen. Ihre knotigen Körper schnellten auf uns zu, so dass ein Heer von dicht behaarten Beinen über den Boden eilte. Die Fangzähne der Spinnen troffen vor Gift und Geifer, während es aus ihren Schlündern herauszischte.

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Die Schlacht
"Zu den Waffen, Männer! Speere voran!" Logar hatte die Situation innerhalb eines Augenblicks erfasst. Der lang befürchtete Angriff war da. Die Spinnen drangen von allen Seiten heran, sodass wir bald von Feinden eingeschlossen wurden. "Lasst den Feind nicht durchbrechen! Schließt den Kreis mit Eurem Schildwall!" Der Tross wurde in der Mitte von Schwertträgern eingeschlossen, ansonsten blieben nur Logar und ich mit einigen Fackelträgern im Innern der Verteidigung. So müde die Soldaten eben noch waren, so wachsam standen sie nun dem heranströmenden Schwall der Spinnen gegenüber. Unsere Schildträger reckten den Angreifern ihre Wehr entschlossen entgegen, während sich die Speerträger hinter ihnen sammelten, um nach der ersten Woge einen
Ausfall zu machen.

Am oberen Ende der Lichtung versuchten die Spinnen zuerst durchzubrechen. Mit ihren kräftigen Beinen hämmerten sie gegen die Schilde der Wachen, doch unsere Reihen hielten stand. Unsere Soldaten erwiderten den Ansturm. Mit ihren Speeren und Schwertern griffen sie Pirlanoks Spinnendiener aus der Deckung heraus an. Doch es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich der Kampf zur offenen Schlacht ausweiten würde. Da für einen Ausfall kein Raum war, musste ich mit einem meiner Zauber eingreifen, um den wütenden Ansturm der Spinnen zu brechen.

Noch während ich meine Kräfte sammelte, weitete sich das Kampfgeschehen aus. An allen Ecken und Enden waren unsere Soldaten nun in schwere Kämpfe verwickelt. Und selbst Logar griff immer wieder in die Schlacht ein, um die Spinnen zurückzudrängen. Sein Speer ruhte jedoch nach wie vor bei seinem Waffenträger. Er wollte ihn nur gegen Pirlanok selbst einsetzen, um die Macht seiner magischen Waffe nicht schon im Vorfeld zu offenbaren. Der Ansturm der Spinnen bedrängte uns mit einer solchen Wucht, dass niemand auch nur zu vermuten wagte, wie lange wir ihnen noch standhalten würden. Ein Sieg schien angesichts ihrer Übermacht aussichtslos.

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In Bedrängnis
Während unsere Soldaten alle Mühe hatten, Pirlanoks Spinnendiener von einem Durchbruch in unsere Stellung abzuhalten, konnte ich ihm fahlen Schein des Mondes erkennen, wie immer mehr Spinnen aus dem Dickicht hervorkamen. Wie eine lebende Woge strömten sie mit ihren gepanzerten Leibern aus den Tiefen des Waldes heran, um sich mit ihren Fangzähnen an unserer Verteidigung zu brechen. Der Schildwall hielt. Doch wie lange noch? So tapfer unsere Männer auch kämpften, gegen diese Flut von Feinden würden sie bald ermüden. Ich musste alles daransetzen, eine Niederlage abzuwenden. Sie hätte unser aller Untergang bedeutet, denn die Spinnendämonen würden keine Nachsicht zeigen.

Um mich vom Schlachtenlärm abzuschirmen und weitere Kräfte zu sammeln, wirkte ich ein Stasisfeld, das mich mit seinen Aufladungen wie ein Schutz umgab. Ich brauchte diesen Rückzugspunkt, um mich im Gewimmel der unerbittlich auf uns einstürmenden Spinnen auf meinen Zauber konzentrieren zu können. Mit einer mächtigen magischen Entladung wollte ich ein Loch in die dicht gedrängten Reihen der Spinnendiener reißen, um unseren Verteidigern wenigstens für einen Moment etwas Luft zu verschaffen. Als ich meinen Zauber zu wirken begann, sammelten sich auf der Oberfläche meines Elementarschildes Blitze und Entladungen, um auf meinen Befehl hin ihre gewaltigen Kräfte freizusetzen.

Durch mein Schutzfeld hindurch konnte ich das Geschehen besser überblicken und sah schließlich auch, wie sich am Rande der Lichtung eine gewaltige Spinne im Dickicht der Blätter und Büsche zu verbergen suchte. Kein Zweifel, es war das Wesen aus der Vision, die uns alle heimgesucht hatte. Ihre Züge waren in meinem Gedächtnis wie eingebrannt. Einzig die große Entfernung zum Rand der Lichtung ließ mich zweifeln, ob ich tatsächlich Pirlanok ausfindig gemacht hatte oder eben nur einen seiner mächtigeren Diener. Doch für den Augenblick musste ich mich weiter auf meinen Zauber konzentrieren, mit dem ich weiter entfernt liegende Ziele ohnehin nicht erreichen konnte.

Endlich war es so weit: Mit einer machtvollen magischen Entladung ließ ich ein Meer von flammenden Blitzen auf unsere Feinde niedergehen. Die Körper der Spinnen zuckten unter diesen Entladungen zappelnd zusammen, und mit einem Kreischen brachen sie unter den gleißenden Strahlen der Blitze leblos zusammen. Ihre knotigen Körper wanden sich am Boden, während ihre Beine sich ins Leere zusammenkrümmten und schließlich erstarrten. Mein unverhoffter Erfolg gab nicht nur mir sondern auch unseren Kämpfern neuen Mut. Als sie sahen, dass eine große Anzahl Spinnen mit einem Schlag vernichtet wurde, fassten sie neuen Mut. Mit einigen weiteren Stasis-Entladungen konnte ich den Streitern unseres Schildwalls schließlich eine Verschnaufpause verschaffen, da nun immer mehr Spinnen meinen Angriffen zum Opfer fielen.

Für einen Augenblick wagte ich sogar auf einen Sieg zu hoffen, da sich die Reihen der Spinnen lichteten. Obwohl sie dämonisch verderbte Wesen waren, schienen sie doch so etwas wie Furcht zu kennen. Zumindest musste ihnen meine Magie musste eine Ahnung von diesem Gefühl verschafft haben. Wenn ich die bisherige Aussichtslosigkeit der Lage richtig einschätzte, war Logar kurz davor gewesen, seinem Speerträger ein Zeichen zu geben, um seine magische Waffe nun doch vor der Zeit einzusetzen und das Schlimmste zu verhindern. Durch mein Eingreifen musste er jedoch rasch wieder von diesem Gedanken abgekommen sein. Indessen griff er beherzt nach Schwert und Schild, um seinen Männern in der vordersten Reihe gegen die verbliebenen Spinnen beizustehen.

Pirlanoks Diener kämpften nun vorsichtiger, doch nicht weniger kraftvoll. Etwas hatte sich verändert, ich konnte es spüren. Aus dem Dunkel des Waldes drangen keine Spinnen mehr nach, um die Reihen der Angreifer zu verstärken. Und doch sagte mir eine innere Stimme, dass unsere Lage nach meinem Eingreifen nicht weniger gefahrvoll für uns war. Als ich durch den Sphärenschutz meiner Stasis ein weiteres Mal nach der riesenhaften Spinne am Rand der Lichtung Ausschau hielt, konnte ich deutlich sehen, dass es sich tatsächlich um Pirlanok handeln musste. Der spinnenhafte Dämon hatte das Dickicht des Waldes ein Stück weit verlassen und ragte nun mit seinem mächtigen Leib zwischen den breiten Stämmen der in nächtliches Dunkel getauchten Bäume hervor.

Pirlanok schien meine Aufmerksamkeit bemerkt zu haben. Er konnte zwar sicher sein, dass ihn unsere übrigen Streiter und Logar noch nicht sehen konnten, doch durch meine Elementarkenntnisse war zumindest ich auf ihn aufmerksam geworden. Der Augenblick der Begegnung mit dem Dämon schien gekommen zu sein. Doch bevor ich Logar und unsere Streiter vor Pirlanok warnen konnte, überzog der Dämon unseren Geist abermals mit seinen Schreckensvisionen. Mit seiner Macht, die jenseits unserer Vorstellung lag, zwang er uns abermals in die Knie. Alles war erfüllt von seiner durchdringenden Stimme, und der Schmerz, der sie begleitete, raubte uns beinahe den Sinne.

"Ihr habt Euch tapfer geschlagen, kleine Menschen. Und doch sehe ich, dass Ihr ohne die Hilfe Eurer Magie kaum einen Augenblick länger standgehalten hättet. Meine Brut ist Legion, und mit jedem Augenblick, der vergeht, wächst die Zahl meiner Diener. Was Ihr heute erlebt habt, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Gräuel, die Euch in meiner Höhle erwarten werden. Wenn Ihr töricht genug seid, dann folgt mir auf dem Seweida-Pfad, der Euch durch das Dickicht bis in mein Reich führen wird. Dort werdet Ihr auch Eure Freunde wiedersehen, vor allem die kleine Zauberin, der ich meine ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt habe. In meiner Höhle werden wir uns wiedersehen. Und dort werdet Ihr sterben."

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Epilog
Es gab nicht mehr viele Dinge, an die ich mich nach Pirlanoks Schreckensvision noch erinnern konnte. Doch die Hoffnung, dass Lahala noch am Leben sein könnte, ließ mich einen Teil des Schmerzes vergessen, den der Dämon über uns brachte. Abermals waren wir seiner Macht erlegen. So siegreich wir die Gefahr der angreifenden Spinnen auch abgewehrt haben mochten; gegen die Kräfte dieses Wesens blieben wir machtlos. Körperlich vollkommen ermattet sanken die Männer in sich zusammen, als Pirlanok unsere Geister wieder freigab und sich zurückzog.

Was als ein geheimer Marsch gedacht war, endete für uns in einem Hinterhalt. Statt des erhofften schnellen Sieges über den Dämon lagen unsere Streiter erschöpft und verwundet auf einer nächtlichen Lichtung inmitten eines Schlachtfeldes, das von gifttriefenden Spinnenleibern und Gefallenen übersäht war. Der Wald von Seweida hätte unser Verbündeter und unser Mantel der Heimlichkeit sein sollen. Doch wie sich nun zeigte, war er für Viele von uns zur Falle oder gar zum Grab geworden. Angesichts der Macht des Dämonen und seiner Unerbittlichkeit schwand die Hoffnung, ihn jemals besiegen zu können.

Erst der langsam anbrechende Morgen sollte uns wieder Zuversicht bringen. Inmitten von Tod und Zerstörung würden wir unverhofft neuen Mut schöpfen können. Doch vorerst blieb uns nichts Anderes übrig, als für die Gefallenen und Verwundeten zu sorgen und einem besseren Tag entgegen zu sehen. Wir waren erschöpft, doch wir waren wachsam.

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Redaktion buffed.de
15.12.2009 19:05 Uhr
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